Didaktik

Lehre im virtuellen Raum didaktisch gestalten

Auf dieser Seite finden Sie erprobte Empfehlungen für die didaktische Gestaltung von Live-Online-Lehre, darunter Tipps für die Vorbereitung, Infos zum Einsatz von Stimme und Webcam, Maßnahmen zur Vertrauensbildung im virtuellen Raum, Möglichkeiten für Präsentation & Visualisierung sowie Steckbriefe zu aktivierenden Methoden. In einigen Abschnitten werden zudem Beispielfolien/-texte zum Download bereitgestellt. Diese Materialien stehen unter CC-0-Lizenz, so dass Sie diese ohne Einschränkungen und ohne Angabe des Namens der Verfasserin verwenden (z.B. in Ihren Foliensatz einbauen) und abändern dürfen.

Lernziele definieren

Wie in der Präsenz beginnen Sie auch die Live-Online-Lehre mit der Formulierung von Lehr-/Lernzielen. Das synchrone Online-Format ist dabei keineswegs auf die Taxonomiestufe „Wissen“ (nach Bloom) beschränkt. Durch den Einsatz von Übungsaufgaben, Fallstudien, Transferfragen usw. können Sie Studierende zu höheren kognitiven Denkleistungen anregen. Stimmen Sie im Sinne des „Constructive Alignment“ Lernziele, Lehrmethoden und Prüfungsform aufeinander ab.

Das Setting vorbereiten

Für das Durchführen von Lehre im virtuellen Klassenzimmer ist ein virtueller Meetingraum erforderlich, der bei vielen Webkonferenzsystemen über einen Zugangslink aufgerufen werden kann. Tipp: Verwenden Sie in jedem Modul/jeder Studierendengruppe über das ganze Semester denselben Meetingraum bzw. Zugangslink, um Orientierungsprobleme beim Zugang zu minimieren.

Darüber hinaus sollten Sie den Studierenden vor der ersten Online-Lehrveranstaltung die technischen Voraussetzungen (Installation benötigter Software, Qualität der Internetverbindung, Verwendung eines Headsets, Webcam, etc.) kommunizieren und ggf. Technik-Checks anbieten. Auch Sie als Lehrperson sollten diese Voraussetzungen schaffen und für eine ungestörte Arbeitsumgebung für Ihre Live-Online-Lehrveranstaltungen sorgen. Die Nutzung eines Headsets ist sehr zu empfehlen, damit Geräusche in der Umgebung des Moderators, wie z.B. das Tippen auf der Tastatur, herausgefiltert werden. Zudem ist die Verwendung eines zweiten Bildschirms für Moderatoren hilfreich.

Mögliche Einrichtung des Arbeitsplatzes für Live-Online-Lehre

Es ist sinnvoll, dass sich alle Meetingteilnehmer auf eine gewisse Online-Etikette (wie z.B. angemessene Kleidung, nicht essen) verständigen. Tipp: Bitten Sie die Studierenden zudem, unter Angabe ihres realen Vor- und Nachnamens in den virtuellen Meetingraum einzutreten, damit Sie die Teilnehmer und diese sich untereinander vernünftig ansprechen können.

Zeit und Stoffmenge planen

Lehrende berichten, dass sie für die Durchführung der Live-Online-Lehre etwa 10-25% mehr Zeit benötigen, als für Präsenzveranstaltungen. Während den Studierenden in einer Präsenzveranstaltung nicht erklärt werden muss, wie diese den Seminarraum betreten oder sich zu Wort melden, muss in der Live-Online-Lehre die technik-gestützte Kommunikation und Interaktion zunächst eingeführt und häufiger Rückmeldungen eingeholt werden. Diese Zeit geht auf Kosten der Inhalte, ist jedoch eine Investition in die Förderung der digitalen Kompetenzen der Studierenden. Zudem benötigen auch Lehrpersonen beim Einstieg in das ungewohnte Format zunächst etwas Einarbeitungszeit, bis die Nutzung der Werkzeuge Routine geworden ist. Mit zunehmender Übung geht die Live-Online-Lehre schneller. An bestimmten Stellen, z.B. beim Durchführen von digitalen Quizzes, beim Erheben von Meinungsbildern über die Ja-/Nein-Status-Icons oder beim Sammeln von Beiträgen über das Whiteboard ist das virtuelle Klassenzimmer sogar zeitsparender als das Präsenzformat.

Im virtuellen Klassenzimmer kommunizieren

In der technikbasierten Online-Kommunikation empfiehlt es sich, zu Beginn der virtuellen Lehrveranstaltung einige Kommunikationsregeln einzuführen. Beispielsweise sollten Teilnehmer ihr Mikro stumm schalten, wenn sie nicht sprechen. Dies verhindert zum einen, dass Stimmen, Verkehrslärm, Handytöne, etc. ungefiltert in den virtuellen Raum gelangen und die Konzentration der Gruppe stören. Zum anderen wird damit verhindert, dass (zu) viele Personen gleichzeitig sprechen und dadurch Probleme in der Signalübertragung verursachen. Um mündliche Beiträge anzukündigen, nutzen die Teilnehmer das Handzeichen-Symbol, so dass die Lehrperson Teilnehmer namentlich aufrufen und die Wortbeiträge leicht zuordnen kann. Kurze Kommentare und Zwischenfragen können niederschwellig über den Chat transportiert werden. Dieser dient auch als verlässlicher Back-Up-Kanal bei technischen Problemen.

Die Stimme wirkungsvoll einsetzen

In der Live-Online-Lehre ist Ihre Stimme Ihr wichtigstes Medium. Sorgen Sie für eine gute Audio-Qualität, in dem Sie ein (USB-) Headset verwenden (z.B. Sennheiser PC 8.2). Dies ist auch im Hinblick auf Teilnehmer mit Gehör-Einschränkungen wichtig. Leiten Sie die Teilnehmer an, wie diese die Lautstärke an ihrem Ausgabegerät regulieren können. Mündliche Ausführungen bzw. Lehrvorträge sind lebendiger, wenn die Intonation angemessen variiert wird. Nehmen Sie zudem eine aufrechte Körperhaltung während der Live-Session ein, da sich dies ebenfalls positiv auf Ihre Atmung und die Qualität des Stimmeinsatzes auswirkt. Auch an Mimik und Gestik muss nicht gespart werden, da diese – selbst bei ausgeschalteter Webcam – spürbar über die Stimme transportiert werden können.

Webcam nutzen

Um auch im virtuellen Seminarraum den zwischenmenschlichen Kontakt und das Erleben von sozialer Präsenz zu fördern, ist der Einsatz von Webcam – sowohl auf Seite der Lehrperson als auch auf Seite der Teilnehmer – wünschenswert. Darüber hinaus berichten Studierende, dass es ihre eigene Aufmerksamkeit fördert, wenn sie sich dessen bewusst sind, dass ihr Webcam-Bild permanent übertragen wird.

Dennoch gelingt die Webcam-Nutzung aus verschiedenen Gründen nicht immer (vollständig). Nicht alle Teilnehmer haben eine Webcam und manchmal reicht die Bandbreite nicht aus. Zudem ist die Bereitschaft zur Webcam-Nutzung nicht bei jeder Zielgruppe gleich hoch. Ein didaktisch sinnvoller Kompromiss ist, zu Beginn und zum Ende einer Online-Lehrveranstaltung sowie bei Plenumsdiskussionen alle vorhandenen Webcams einzuschalten, um die Personen in den Vordergrund zu rücken, während die Webcams in Phasen der inhaltlichen Arbeit mit Präsentationsmedien ausgeschaltet sind.

Hier drei Tipps für eine gute Wirkung vor der Webcam:

  • Ausreichend natürliches oder künstliches Licht von vorne (Gegenlicht, z.B. durch Fenster im Rücken, stellt das eigene Gesicht in den Schatten)
  • Webcam auf Augenhöhe positionieren (z.B. Notebook auf Schachtel oder Bücherstapel stellen), um Blick „von oben herab“ zu vermeiden
  • Möglichst neutraler Hintergrund, z.B. weiße Wand (jedoch keine Gemälde mit Ablenkungspotenzial oder Pflanzen, die vor der Kamera wirken, als würden Sie „einem aus dem Kopf wachsen“)

Effektiv Rückmeldungen erhalten

Um die Kommunikation mit den Teilnehmern effektiv zu steuern – insbesondere dann, wenn Sie ohne Webcam-Übertragung arbeiten (müssen) und nonverbale Kommunikation wegfällt – lautet ein Tipp: Leiten Sie den Kanal für die Rückmeldung der Teilnehmer klar an!

Beispiel: Wenn Sie in die (unsichtbare) Runde offene Fragen stellen wie z.B. „Verstehen Sie mich gut?“ oder „Was denken Sie über den erläuterten Sachverhalt?“ erhalten Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit… Schweigen. Das liegt daran, dass die Teilnehmenden schlichtweg nicht wissen, welche konkrete Handlung von Ihnen erwartet wird. Geben Sie den Teilnehmern eine Hilfestellung, in dem Sie klare Handlungsaufforderungen aussprechen. Zum Beispiel:

  • „Verstehen Sie mich gut? Wer mich gut verstehen kann, setzt bitte einen ‚grünen Haken‘.“
  • „Sehen Sie die eingeblendete Grafik? Bitte geben Sie mir ein kurzes ‚Ja‘ im Chat“.
  • „Was denken Sie über den erläuterten Sachverhalten? Bitte melden Sie sich zu Wort“.

Nähe und Vertrauen aufbauen

Der Aufbau von zwischenmenschlicher Nähe und Vertrauen wird erleichtert, wenn sich die Lehrperson zu Beginn der Online-Lehrveranstaltung persönlich (mit Webcam) vorstellt. Angeleitete, mündliche Kennenlernrunden oder Vorstellen in Murmelgruppen fördern den Beziehungsaufbau unter den Teilnehmern. Humorvolle Beiträge, persönliche Anekdoten der Lehrperson (Storytelling) und das Herstellen von Bezügen von Lerninhalten zur Lebenswelt der Studierenden fördern das soziale Miteinander und den kommunikativen Austausch im virtuellen Raum. Dabei gerne die Präsentation bzw. Bildschirmfreigabe unterbrechen, um die Webcams der Teilnehmer in den Vordergrund zu rücken.

Präsentieren und Visualisieren

Wie auch in der Präsenz können Sie im virtuellen Klassenzimmer vorbereitete Materialien (z.B. PowerPoint-Folien) präsentieren, Video- und Audio-Beiträge abspielen, Webseiten aufrufen oder Softwareanwendungen (z.B. Excel, SPSS, CAD-Programm, etc.) live vorführen. Auch können Visualisierungen ähnlich dem Anschrieb auf Tafel/Flipchart/Whiteboard live vor den Augen der Teilnehmer entwickelt werden. Insbesondere das Live-Visualisieren stimuliert die visuelle Wahrnehmung der Teilnehmer und bindet deren Aufmerksamkeit. Dabei können Sie Studierende auffordern, auf einem Notizblock handschriftlich mitzuschreiben bzw. zu zeichnen, um aktiv dabei zu bleiben und die Inhalte besser im Gedächtnis zu verankern.

Beim Verwenden fertiger Präsentationsmaterialien empfiehlt es sich, die Wahrnehmung der Teilnehmer zu führen, indem Sie beispielsweise Bullet Points in Foliensätzen animieren und nacheinander einblenden oder indem Sie den Pfeilzeiger des Webkonferenzsystems verwenden, um parallel zu Ihren Erläuterungen gezielt auf die visuellen Elemente zu zeigen. Wie auch bei Präsenzlehrveranstaltungen sollten PowerPoint-Folien sparsam beschrieben werden, während der Sprechtext in der Notizfunktion platziert wird (die Notizen können für die Dokumentation ebenfalls mit in die PDF-Unterlage exportiert werden). Tipp: Präsentationsfolien sind barrierearm, wenn schwarze, serifenlose Schrift (z.B. Arial, Calibri) auf weißem Hintergrund verwendet wird und Blau-Grün- bzw. Rot-Grün-Kombinationen vermieden werden.

Um der kürzeren Aufmerksamkeitsspanne im virtuellen Raum gerecht zu werden, sollten Folienpräsentationen kleinteiliger gestaltet werden. Ein guter Richtwert ist, sich ca. alle fünf Minuten von der Präsentation abzuwenden und das Publikum zu beteiligen – sei es auch nur eine kleine Aktivität, indem beispielsweise aktiv Rückmeldung nach offenen Fragen über die Status-Icons eingeholt wird. Alternativ können Teilnehmer zu einem Kommentar im Chat aufgefordert oder Quiz-/Meinungsumfragen eingestreut werden. Sind PowerPoint-Folien immer nötig? Wieso nicht einfach mal frei Referieren (mit Webcam, ohne Folien) und die Teilnehmer erstellen (aktiv) ihre eigene Mitschrift zu den inhaltlichen Ausführungen?!

Aktivierende Methoden

In diesem Abschnitt wird eine Auswahl aktivierender Methoden vorgestellt, die im virtuellen Klassenzimmer eingesetzt werden können (sofern das verwendete Webkonferenzsystem den benötigten Funktionsumfang hergibt).

Kennenlernen

In kleinen Gruppen blendet die Lehrperson eine vorbereitete PPT-Folie mit Leitfragen ein und lässt die Teilnehmer reihum mündlich antworten. Sind die Teilnehmer einander bereits bekannt, können auch abgewandelte Methoden eingesetzt werden, zum Beispiel das Vorstellen anhand von Bildkarten. In mittelgroßen Gruppen (20-40 Teilnehmer) können die Teilnehmenden ihren Beitrag zur Vorstellung im Chat platzieren. Alle lesen die Beiträge, die Lehrperson stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und fasst kurz zusammen. In großen Gruppen können Merkmale der Lerngruppe über das Umfrage-Tool erhoben und sichtbar gemacht werden.

Brainstorming / Brainwriting

Die Methode des Brainstormings eignet sich, um Ideen und Sichtweisen (z.B. Vor- und Nachteile eines Sachverhalts) der Teilnehmenden zu einem bestimmten Sachverhalt zusammenzutragen. Dazu öffnet die Lehrperson ein leeres Whiteboard oder blendet eine bereits vorstrukturierte Folie ein. In kleineren Gruppen (bis ca. 20 Teilnehmer) annotieren die Teilnehmenden selbst auf der Folie, in dem sie einen Wortbeitrag platzieren. Tipp: Leiten Sie die Teilnehmer zu Beginn des Brainstormings (z.B. durch Einblenden von Screenshots) an, wie diese die Werkzeugleiste für das Schreiben/Zeichnen/Annotieren benutzen können. Nach einiger Arbeitszeit bitten Sie die Teilnehmer, einen grünen Haken zu setzen, wenn sie fertig sind. In großen Gruppen sammelt der Moderator die Beiträge auf Zuruf ein und notiert diese auf der Bildschirmfläche. Die Methode kann gut mit vorgeschalteten Murmelgruppen oder Gruppenarbeiten kombiniert werden.

Murmelgruppen

Murmelgruppen eignen sich, um Teilnehmer, insbesondere in sehr großen Gruppen, in eine kurze Diskussion zu schicken. Die Methode ist spontan einsetzbar und liegt unter den Anforderungen einer „richtigen“ Gruppenarbeit. Es genügt eine einfache Fragestellung, mit der die Teilnehmer für zwei bis drei Minuten zum Austausch in eine Gruppen-Session geschickt werden. Im Anschluss an die Murmelphase werden selektiv einige Murmelgruppen gebeten, ihr Diskussionsergebnis im Plenum mitzuteilen. Zum Schluss fasst die Lehrperson kurz zusammen. Diese Methode eignet sich für alle Gruppengrößen und ist besonders für berufsbegleitende (Master-) Studiengänge interessant.

Gruppenarbeiten

Im virtuellen Klassenzimmer können Gruppenarbeiten durchgeführt werden, indem Studierende jeweils zu viert/zu fünft in einem separaten Gruppenraum per Audio/Video Lösungsvorschläge zu einem Thema entwickeln. Die Gruppen dokumentieren die erarbeiteten Ergebnisse, um diese anschließend im Plenum (mündlich und ggf. visuell) vorstellen zu können. Zur Dokumentation der Ergebnisse in den Gruppenräumen kann ein Whiteboard des Webkonferenzsystems oder ein lokales Dokument (z.B. Word-/PowerPoint-Datei) verwendet sowie auch ein externes Kollaborationstool (z.B. Google Doc/Google Slide, kollaborative Mindmap) eingebunden werden. Die Lehrperson moderiert die Präsentation und Auswertung der erarbeiteten Ergebnisse. Tipp: Leiten Sie bei Webkonferenzsystemen, die nicht automatisch speichern, die Teilnehmer an, wie sie die Ergebnisse der Gruppenarbeit sichern!

Praktische Übung mit Software

Zur Förderung von Software-Kompetenzen können Studierende einzeln oder in Gruppen an einer Datei (z.B. Excel, SPSS, CAD-Programm etc.) arbeiten. Bei der Gruppenvariante öffnet ein Gruppenmitglied die Datei lokal auf ihrem Rechner und blendet diese den anderen Gruppenmitgliedern per Bildschirmübertragung ein. Bei Nutzung der Funktion „Fernsteuerung“ können sich die Gruppenmitglieder in der Bearbeitung der praktischen Aufgabe abwechseln.

Quiz / Wissenstest

Die Lehrperson stellt mit dem Umfrage-Tool eine oder mehrere Testfragen im Webkonferenzsystem ein. Neben reinen Wissensfragen sind anspruchsvollere Fragen möglich, die das Verständnis und den Transfer von Konzepten abprüfen. Die Teilnehmer beantworten die Fragen durch das Anklicken ihrer präferierten Antwortkategorie(n). Anschließend macht die Lehrperson die Ergebnisse im Plenum sichtbar und bespricht diese. Diese Methode eignet sich für alle Gruppengrößen.

Peer Instruction

Auch die interaktive Methode „Peer Instruction“ ist in Live-Online-Lehrveranstaltungen umsetzbar. Nach einem Impulsvortrag lässt die Lehrperson die Studierenden eine Multiple-Choice-Frage über das Umfragewerkzeug (oder durch Einbinden externer Tools wie Pingo) bearbeiten. Nach der ersten Abstimmung diskutieren die Studierenden einige Minuten in Partnerarbeit bzw. Kleingruppen über ihre präferierten Antworten und reflektieren dadurch die Lerninhalte. Anschließend holt die Lehrperson die Studierenden zurück in den Hauptraum, lässt diese erneut abstimmen und sichert das Verständnis des Lerninhalts.

Rollenspiele

Rollenspiele eignen sich für das Einüben bestimmter Verhaltensweisen (z.B. Gesprächsführung). Dazu leitet die Lehrperson das Rollenspiel an und verteilt die Rollenbeschreibungen an die Rollenspieler sowie Arbeitsaufträge für die Beobachter. Die Rollenspieler schalten ihr Audio und die Webcams an, um das Rollenspiel durchzuführen. Die Lehrperson und die Beobachter schalten Mikros stumm und die Kameras aus. Nach der Durchführung des Rollenspiels kommen alle Teilnehmer wieder aktiv dazu, die Lehrperson moderiert Feedback und Auswertung. Zur Durchführung von Rollenspielen in parallelen Gruppen leitet die Lehrperson das Rollenspiel zunächst im Plenum an und demonstriert einen Durchlauf in der Gesamtgruppe, indem einige Studierende (z.B. zwei Rollenspieler plus ein Beobachter) das Rollenspiel durchführen. Anschließend führen alle Studierende das Rollenspiel in Gruppenräumen durch und wechseln ggf. in der Rollenverteilung. Zum Schluss werden die Erfahrungen unter Moderation der Lehrperson im Plenum geteilt, besprochen und reflektiert.

Skalierungs- und Punktabfragen

Die Lehrperson bereitet eine PPT-Folie vor, auf der sie eine Fragestellung und eine Antwortskala (bei Skalierungsfragen) oder bildhafte Antwortkategorien (bei Punktabfragen) platziert. Die Teilnehmer beantworten die Frage, in dem sie ein oder mehrere Zeichensymbole (z.B. Punkt, Stern) auf der eingeblendeten Folie annotieren. Diese Methode eignet sich für alle Gruppengrößen.

Referate von Studierenden

Studierende bereiten, einzeln oder in Gruppen, Referate zu bestimmten Themen vor und halten diese in der Live-Online-Session. Vorbereitete Präsentationsmedien werden über die Bildschirmfreigabe eingeblendet. Die Studierenden trainieren dadurch das Präsentieren in virtuellen Räumen. Die Lehrperson ermöglicht den Referenten Feedback der Lerngruppe in Form von mündlichen oder schriftlichen Beiträgen.

Flipped (Virtual) Classroom

Live-Online-Lehre lässt sich mit der Methode bzw. dem Veranstaltungsformat des „Flipped Classroom“ kombinieren. Die Wissensvermittlung wird in das Selbststudium ausgelagert, während die Kontaktzeit in der Live-Online-Session für Diskussion, Vertiefung und Aufgaben genutzt wird. Die Methode ist gut einsetzbar, wenn entsprechende Voraussetzungen (wie z.B. Selbstlernkompetenz der Studierenden) dafür gegeben sind.

Pausen gestalten

Lehren und Lernen im virtuellen Raum erfordert (ebenso) Pausen. Ein praktikabler Richtwert ist, alle 60 bis spätestens 90 Minuten eine Pause einzulegen. Sowohl Lehrende als auch Studierende optimieren ihren Erholungswert, wenn die Pause als „Weg-vom-Bildschirm-Pause“ gestaltet wird, bei der alle Beteiligten ihre Augen entspannen, sich körperlich bewegen und Energie tanken. Viele Webkonferenzsysteme bieten ein Status-Icon an, mit dem Teilnehmer im virtuellen Klassenzimmer kennzeichnen können, dass sie sich vom Meeting entfernt haben und gerade nicht vor dem Bildschirm sitzen. Tipp: Schreiben Sie die konkrete Uhrzeit (z.B. 10:10 Uhr) und nicht die Dauer der Pause auf die Folie oder ein Whiteboard und lassen Sie diese Information während der gesamten Pause eingeblendet.

Live-Online-Lehrveranstaltungen evaluieren

Um nicht bis zur formalen Lehrevaluation warten zu müssen, können Lehrende am Ende der ersten oder zweiten Live-Online-Lehrveranstaltung ein Zwischenfeedback von den Studierenden einholen. Über das Umfragetool können anonyme Antworten zu Single- oder Multiple-Choice-Fragen erhoben werden. Qualitative Rückmeldungen können in Form eines anonymen Brainwritings erhoben werden: die Lehrperson verwendet ein Whiteboard oder eine vorbereitete Folie, die beispielsweise in zwei Spalten (das gefiel mir gut / das könnte verbessert werden) vorstrukturiert ist, die Teilnehmer platzieren Ihre Beiträge mit den Schreibwerkzeugen. Nicht-anonyme Rückmeldungen können über den Text-Chat gesammelt werden.

Lernergebnisse dokumentieren

Um eine Nachbereitung zu ermöglichen, sollten die Inhalte und Lernergebnisse, die im virtuellen Klassenzimmer präsentiert und/oder gemeinsam erarbeitet wurden, den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden (wie in Präsenzveranstaltungen auch). Dies muss nicht zwangsläufig eine Video-Aufzeichnung der Live-Online-Lehrveranstaltung bedeuten. Die Lehrperson kann präsentierte Materialien (z.B. Foliensätze, Links zu geteilten Websites und Videos, etc.) im Anschluss an die Veranstaltung als PDF auf die Lernplattform hochladen. Auch gemeinsam erarbeitete Inhalte (Whiteboard-/Folienanschriebe, Ergebnisse aus Gruppenarbeiten etc.) können und sollten exportiert und den Teilnehmern bereitgestellt werden.


Literaturempfehlung: Fogelberg, F. & Tavanyar, J. (2015). Live Connections. Virtual Facilitation for High Engagement and Powerful Learning. Amersfoort: Nomadic International Business Psychology.